Name: RecycleMich: Recycle & gewinne
Anbieter: SynoptiCons GmbH (www.synopticons.com | www.recyclemich.at)
Kategorie: Umwelt & Haushalt
Zielgruppe: Erwachsene
Betriebssystem: iOS | Android
Preis: kostenlos
Links: Apple App Store | Google Play Store
Die in Holland entwickelte App My Little Plastic Footprint (im Folgenden: MLPF) genießt auch hierzulande große Popularität, wie man an ihrem wiederholten Auftauchen in den Appstore-Charts beobachten kann. Nach den Gründen hierfür muss man nicht lange suchen: Einladende Illustrationen und schnell durchschaubare Funktionen machen die kostenlose App zum unwiderstehlichen Angebot für angehende Müllvermeidungs- und Recycling-Profis. Bei einer solch komplexen Thematik wie den Einfluss von Kunstoffen auf unser aller Leben und den Planeten sollte man in Sachen englische Sprachkenntnisse aber fest im Sattel sitzen.
Startbereit in zwei Minuten
Nach dem Download erfordert MLPF eine Registrierung per E-Mail, die aber nur für die Zustellung des (optionalen) Newsletters notwendig ist. Darüber hinaus erweist sich die App als datensparsam und verlangt zumindest in der von uns getesteten Version (v2.4.1 für iOS) keine weiteren Freigaben seitens der Nutzerin oder des Nutzers. Nach Abfrage von Alter, Wohnort und eigener Gewohnheiten im Umgang mit Plastikartikeln ermittelt MLPF den individuellen "Plastic Mass Index" (PMI). Der Wert gibt Aufschluss über den persönlichen Beitrag zur Umweltverschmutzung durch Plastik. Diesen gilt es durch fleißigen Gebrauch der App zu senken. Dafür muss man sich zunächst in verschiedenen Kategorien genau die Kunststoffartikel und -produktgruppen heraussuchen, auf die man im eigenen Alltag immer wieder zurückgreift.

Positive Vibes von Anfang an
Besonders lobenswert ist das Angebot der App, gleich zu Beginn der Nutzung Plastikprodukte abwählen zu können, auf die man im täglichen Leben bereits - bewusst oder unbewusst - verzichtet. Selbst Menschen, die sich noch nicht eingehend mit Müllvermeidung und Recycling auseinandergesetzt haben, dürften hier fündig werden und sich so mit einem guten Gefühl in die App-Erfahrung stürzen. Übrig bleiben die PE-, PVC- und PET-Produkte, die es mit Unterstützung von MLPF aus dem Alltag zu verbannen gilt. Man setzt sich selbst auf "Plastik-Diät", wie es die App nennt. Hierfür wählt man aus den sechs Kategorien Badezimmer, Küche, Freizeit, Zum Mitnehmen, Garten und Haus genau die Kunststoffartikel heraus, auf die man verzichten oder sie mit umweltfreundlichen Alternativen ersetzen möchte. Gelingt dies, wird man regelmäßig mit virtuellen Prämien belohnt.
Gute Tipps mit kleinem Haken
Bislang halten sich die sprachlichen Barrieren der nur in englisch und niederländisch verfügbaren App in Grenzen, was vor allem den aussagekräftigen, einladend wirkenden Illustrationen zu verdanken ist. Zur Nutzung der zahlreichen Ratschläge rund um Plastikvermeidung ist aber zumindest ein gutes Schulenglisch unverzichtbar. Die Tipps reichen dabei qualitativ von offensichtlich über hilfreich bis überraschend, was angesichts der Vielfalt der behandelten Produkte vom Einmal-Kaffeebecher bis zum Kunstrasen zu erwarten ist. Besonders lobenswert sind die in die Ratschläge eingeflochtenen Hintergrundinformationen zum Plastikkonsum. Das Wissen darum, dass sich ein Mensch im Laufe seines Lebens im Schnitt durch 300 Zahnbürsten putzt oder ein Kleidungsstück durchschnittlich nur sieben Mal getragen wird, bevor es im Müll landet, erhöht den Ehrgeiz zum Plastiksparen erheblich. Weniger hilfreich hingegen sind die für deutschsprachige Nutzer:innen kaum hilfreichen Verweise auf niederländische Behörden und Unternehmen, die weiterführende Informationen zum Thema oder umweltfreundlich verpackte Konsumgüter anbieten.

Weniger Plastik - mehr Englisch!
Mindestens ebenso viel Zeit wie bei Umsetzung der individuellen "Plastik-Diät" kann man mit den zahlreichen Quizfragen in MLPF verbringen. In jedem der zuvor genannten Lebensbereiche gilt es, fünf Level à fünf Fragen durchzuspielen. Dazu gibt es noch einige Spezial-Quizzes, beispielsweise zur Verschmutzung der Meere. Hierbei sind belastbare Englischkenntnisse und das Interesse am mit Fakten aus der Forschung unterfütterten Klimaschutz durch Plastikvermeidung Pflicht. Mit fortschreitender Spieldauer werden die Fragen spezifischer und die Antworten erstaunlicher, jedoch auch komplexer und weniger unmittelbar verständlich. Das Gute daran: Hat man sich erst einmal durch zwei Dutzend Fragen und Antworten rund um das schier unfassbare Ausmaß der Umweltbelastung durch Mikroplastik in Textilien getippt, ist dies ein zutiefst befriedigendes Mehr an Wissen.
Fazit
Ernstzunehmende Kritikpunkte an MLPF muss man mit der Lupe suchen. Einige Tipps und Wissensinhalte sind offensichtlich auf die holländische und nordamerikanische Zielgruppe gemünzt. Und die sporadisch mit Videos illustrierten Antworten brachten die App auf meinem Smartphone zweimal zum Absturz. Dies sind aber Kleinigkeiten angesichts einer in fast allen Belangen professionell produzierten Software mit vorbildlicher Nutzerführung und ansprechendem Design. Die schnellen Erfolgserlebnisse und lebensnahen Ratschläge für weniger Plastik im Alltag motivieren zum Dranbleiben. Und selbst nach einer Woche mit MLPF als digitalem Begleiter in meiner Hosentasche entdecke ich noch Neues. Und dafür bessert man sein Englisch doch gerne auf, oder?
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Haben Sie Hinweise, Korrekturen oder sonstiges Feedback zu unserem App-Test? Ich freue mich über Ihre E-Mail an lohmeier[at]vz-bln.de. Danke für Ihr Interesse! (Patrick Lohmeier)